Nicht jedes Stück der Sammlung ist ein Haus, ein Raum oder ein Laden. Manche Objekte sprengen die üblichen Gattungen – sie sind kleine Bühnen, auf denen eine ganze Geschichte gespielt wird. Diese Schauobjekte gehören zu den erzählfreudigsten Stücken der Sammlung.
Vier kleine Bühnen
- Tremore Mansion – ein herrschaftliches Anwesen, das eher als Schaustück denn als bespielbares Haus angelegt ist.
- Wiener Konditorei – eine festliche Konditorei mit Vitrinen voller winziger Torten, Pralinen und Zuckerwerk, ein Fest für das Auge.
- Mit der Eisenbahn zum Weihnachtsmarkt – eine winterliche Szene, in der Reisende, Bahn und Markt zu einer weihnachtlichen Erzählung verschmelzen.
- Die Porzellanverkäuferin – eine Genreszene, die einen Marktstand und seine Verkäuferin ins Zentrum rückt.
Miniatur als Erzählung
Schauobjekte unterscheiden sich vom klassischen Puppenhaus durch ihre erzählerische Absicht. Wo ein Haus einen Rahmen bietet, in dem man sich Leben vorstellen kann, hält ein Schauobjekt einen bestimmten Augenblick fest: das Gedränge vor dem Konditoreitresen, die Ankunft am Weihnachtsmarkt, den Handel am Marktstand. Solche Szenen stehen der Tradition des Dioramas und der Krippe nahe und zeigen, wie nah Miniaturkunst und Bühnenkunst beieinanderliegen.
Die Freude am Detail
Gerade in den Schauobjekten feiert die Sammlung das Detail: die Glasur auf einer winzigen Torte, den Rauch über einem kleinen Bahnhof, das Muster eines Marktstandtuchs. Es sind diese Kleinigkeiten, die eine Szene lebendig machen und die Betrachterinnen und Betrachter innehalten lassen. Verwandte stimmungsvolle Welten finden Sie in den Miniaturgärten und unter den Kaufläden. Dass solche erzählenden Miniaturen weltweit gesammelt werden, belegt das National Museum of Play.
Die Tradition der festlichen Szene
Die erzählende Miniaturszene hat ehrwürdige Vorfahren. Die Weihnachtskrippe, die winterliche Marktszene und das Diorama gehören zur selben Familie: Sie alle halten einen Augenblick fest und laden dazu ein, sich in ihn hineinzuträumen. Besonders die weihnachtlichen Stücke der Sammlung stehen in dieser Tradition und wecken bei vielen Betrachterinnen und Betrachtern eigene Kindheitserinnerungen an den Zauber der Adventszeit.
Bewegung im Stillstand
Das Kunststück eines guten Schauobjekts liegt darin, Bewegung im Stillstand zu zeigen. Der Zug scheint gerade einzufahren, die Verkäuferin gerade zu reichen, die Kundschaft gerade zu wählen. Aus reglosen Figuren und festem Material entsteht der Eindruck eines lebendigen Moments – und genau dieser Eindruck macht die Schauobjekte zu den heimlichen Erzählern der Sammlung.