Ein Haus wird erst durch seine Bewohner lebendig. Zur Sammlung gehört daher eine begleitende Kollektion von rund einhundertfünfzig alten Puppen – Porzellan- und Biskuitköpfe, Papiermaché-Figuren und kleine Stubenpuppen, die den Puppenhäusern und Puppenstuben ihr Gesicht geben.
Werkstoffe und Zeiten
Die Geschichte der Puppe ist eine Geschichte der Werkstoffe. Frühe Puppen wurden aus Holz, Wachs oder Papiermaché gefertigt; im 19. Jahrhundert eroberten fein bemalte Porzellan- und Biskuitköpfe die Kinderzimmer und Sammlervitrinen. Jede Epoche brachte ihre eigenen Gesichter, Frisuren und Kostüme hervor, sodass sich das Alter einer Puppe oft an ihren Zügen und ihrer Kleidung ablesen lässt.
Stubenpuppen im Maßstab
Eine besondere Rolle spielen die winzigen Stubenpuppen, die eigens für das Leben im Puppenhaus geschaffen wurden. Sie mussten klein genug sein, um in den Zimmern zu wohnen, und zugleich fein genug, um als Familie, Dienerschaft oder Gäste zu überzeugen. In ihren gestrickten und genähten Kostümen sind sie oft kleine Kunstwerke für sich.
Gesichter der Vergangenheit
Antike Puppen berühren, weil sie Gesichter tragen. In ihren gemalten Zügen begegnet uns der Schönheitssinn ihrer Zeit; in ihren Kostümen die Mode ganzer Epochen. Zugleich erzählen sie von Kindheit und Spiel, von Zuwendung und Verlust. Bedeutende öffentliche Puppensammlungen wie jene des Young V&A bewahren diese Geschichte für kommende Generationen. In den Puppenstuben sehen Sie, wie die kleinen Bewohnerinnen ihre Räume beleben; mehr über die Idee der Sammlung lesen Sie unter Das Museum.
Marken und Manufakturen
Viele antike Puppen tragen an Nacken oder Schulter eine Marke – Buchstaben, Zahlen oder ein Zeichen, das die Manufaktur und oft das Herstellungsjahr verrät. Für Sammlerinnen und Sammler sind diese Marken kleine Schlüssel zur Geschichte: Sie erlauben es, eine Puppe einer Werkstatt, einer Stadt und einer Epoche zuzuordnen. So wird aus einem schönen Gesicht ein datierbares Zeugnis der Handwerks- und Spielzeuggeschichte.
Bewahren und Pflegen
Alte Puppen sind empfindliche Geschöpfe. Porzellan ist zerbrechlich, Textilien verblassen, und altes Papiermaché reagiert auf Feuchtigkeit. Ihre Bewahrung verlangt Umsicht: gedämpftes Licht, ruhiges Klima und behutsame Reinigung. Wo Kostüme oder Perücken verloren gegangen sind, werden sie im Stil der Zeit ergänzt – stets mit dem Ziel, den ursprünglichen Charakter der Puppe zu achten und nichts vorzutäuschen, was nie da war.