Nicht jede Miniaturwelt braucht eine ganze Fassade. Die Puppenstube konzentriert sich auf einen einzigen Raum – und gerade darin liegt ihr Zauber. In der Sammlung finden sich rund zwanzig alte Puppenstuben und Miniaturküchen, in denen sich das häusliche Leben auf engstem Raum verdichtet.
Die Nürnberger Tradition
Die Puppenküche hat eine lange, ehrwürdige Geschichte. In Nürnberg diente die berühmte „Nürnberger Küche" jahrhundertelang zugleich der Freude und der Erziehung: An ihr lernten Kinder die Ordnung eines Haushalts, die Namen der Gerätschaften und die Abläufe des Kochens. Die Küchen der Sammlung stehen in dieser Tradition – von der Alten Puppenküche um 1900 über die Puppenküche um 1930 bis zur eindrucksvollen Großen Puppenküche um 1900.
Stuben mit Namen
Neben den Küchen versammelt die Sammlung eine Reihe liebevoll gestalteter Stuben und kleiner Wohnwelten:
- Old Vienna – eine Stube im Geist des alten Wien.
- The Jampot und The Rose – heitere, farbenfrohe Kleinode.
- Charlotte's Villa und Millie's Kitchen – benannt nach ihren imaginären Bewohnerinnen.
- The Christmas Treasure – eine festliche Weihnachtsstube.
- The Bavarian Household und Die Jagdstube – Räume mit regionalem Charakter.
- Das gute Stübchen – die gute Stube, in der man Gäste empfing.
Das Leben im Detail
In den Puppenstuben zeigt sich die Miniaturkunst von ihrer intimsten Seite. Ein gedeckter Tisch, ein Nähkorb, ein aufgeschlagenes Buch, das winzige Geschirr im Regal – jedes Detail erzählt vom Alltag seiner Zeit. Weil hier kein Treppenhaus und keine Fassade ablenken, richtet sich der Blick ganz auf die Dinge selbst: auf Material, Handwerk und die stille Poesie des Kleinen. Historische Vorbilder dieser Gattung bewahrt unter anderem das Germanische Nationalmuseum. Wer die kaufmännische Seite der Miniatur sucht, wird im Bereich Kaufläden fündig.
Warum die kleinen Stücke überdauern
Dass sich gerade die einräumigen Stücke oft so gut erhalten haben, ist kein Zufall. Eine Puppenstube ließ sich leichter bewahren als ein ganzes Haus: Sie brauchte weniger Platz, wurde im Schrank verwahrt und überstand Umzüge und Erbschaften eher unbeschadet. So sind manche Küchen und Stuben über Generationen in Familien weitergereicht worden und tragen heute die Spuren vieler kleiner Hände. Diese Gebrauchsspuren sind kein Makel, sondern Teil ihrer Geschichte – sie erzählen davon, dass hier wirklich gespielt, gekocht und gelebt wurde.
Handwerklich sind die Stuben ein Fest der Materialien. Zinngeschirr und Kupferpfännchen, gedrechselte Stuhlbeine, geklöppelte Deckchen, winzige Bücher mit echten Seiten und bemaltes Porzellan verlangten jeweils eigene Werkstätten und eigenes Können. Wer eine Stube aufmerksam betrachtet, entdeckt die ganze arbeitsteilige Welt des alten Kunsthandwerks im Maßstab einer Handfläche.